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Okt
01

Im Test: Microsoft Security Essentials bietet gute Schutzfunktionen – aber proaktiver Schutz fehlt

mseMicrosoft bietet seit wenigen Tagen das Antivirusprogramm “Microsoft Security Essentials” (MSE) kostenlos zum Download an (Blogbeitrag).

MSE bringt dem Anwender einen Basisschutz vor Malware, einschließlich Adware und Spyware. Die unter dem Codenamen “Morro” entwickelte Software ist der Gratis-Nachfolger der bisherigen bisherigen Schutzlösung “Windows Live OneCare” und ersetzt zudem den kostenlosen Windows Defender.

Auf dem Prüfstand des renommierten und unabhängigen Testinstituts AV-Test in Magdeburg musste MSE zeigen, ob es die in das Programm gesetzten Erwartungen erfüllen kann, die bereits der Test der Beta-Version im Juni geweckt hat.

Die Magdeburger Tester haben MSE 1.0.1611.0 mit den aktuellen Viren- und Spyware-Signaturen unter deutschen und US-englischen 32-Bit-Ausgaben von Windows XP (SP3), Vista (SP2) und Windows 7 getestet. Eine aktive Internetverbindung stand für eventuelle dynamische Scan-Funktionen zur Verfügung.

Die Pflichtübung für alle Virenscanner ist das Erkennen der Schädlinge aus der jeweils aktuellen Wildlist-Sammlung. Verwendet wurde die Wildlist 08/2009 mit 3.732 Malware-Dateien. MSE hat alle Schädlinge sowohl beim Zugriff (On Access) als auch beim manuellen Scan (On Demand) erkannt und blockiert.

Anspruchsvoller war die zweite Teststation, die unter Windows XP zu meistern war. Hier galt es eine Auswahl von aktuellen Schädlingen aller Art, darunter Viren, Würmer, Trojanisches Pferde und Bots zu erkennen, insgesamt 545.034 Malware-Dateien. Microsoft Security Essentials erreichte hier eine gute Erkennungsrate von 98,44 Prozent.

Weitere Testergebnisse
Auch bei Adware und Spyware konnte MSE mit 90,95 Prozent der 14.222 Schädlinge ein vorzeigbares Resultat erzielen. Beim Scannen von 600.000 harmlosen Dateien aus Windows, Office und anderen Anwendungen gab es keine Fehlalarme. Da die Mehrzahl dieser Dateien wie MSE selbst von Microsoft stammt, wäre alles andere auch eine Enttäuschung gewesen.

Ein weiterer Prüfpunkt ist die so genannte dynamische Erkennung von Malware. Sie basiert auch Verhaltensanalyse und Cloud-Funktionen. Der Test wurde mit einigen exemplarischen Schädlingen durchgeführt, die noch mit traditionellen Erkennungsmethoden wie Signaturen oder Heuristik erkannt wurden. MSE zeigte hierbei keine Anzeichen, dass es über dynamische Methoden verfügt und fand keinen dieser Schädlinge. Auch manchen anderen Virenscannern fehlt diese Funktionalität – sie bleibt meist den umfangreicheren (und teureren) Internet Security Suites vorbehalten.

Die Erkennung und Beseitigung aktiver Malware stellte MSE nicht vor Probleme. Alle 25 Schädlinge wurden erkannt und ihre aktiven Komponenten entfernt. Zurück blieben allerdings oft noch Spuren der Infektion. Dazu zählen verwaiste Registry-Einträge, inaktive Malware-Dateien, eine deaktivierte Windows Firewall oder eine manipulierte (und nicht restaurierte) HOSTS-Datei.

Bei der Erkennung und Entfernung von aktiven Rootkits (Lexikon) konnte Microsoft Security Essentials wieder glänzen. Alle 25 Rootkits im Test wurden erkannt und beseitigt.

Doch findet sich in der Software auch eine möglicherweise folgenschwere Schwachstelle. Wie Anti-Viren Test berichtet, gibt es offenbar keine dynamischen, proaktiven Erkennungsmechanismen für neue Malware. Die aber ist im modernen Web extrem wichtig.

Bei mehr als 30.000 Versuchen täglich, neu Malware zu streuen, sei es nach Meinung der Experten fast unmöglich, dem mit Signaturen beikommen zu wollen und dass Microsofts Dynamic Signature Service schnell genug reagieren könne, sei nicht vorstellbar. AV-Test weist noch einmal explizit darauf hin, dass Aufgrund der Malware-Flut ein verhaltensbasierter Schutz für die meisten Nutzer absolut notwendig ist. Solch eine dynamische Erkennung fehlt den Security Essentials. Wie auch die Produkte der Mitbewerber aus dem Lager der Anwtivieren-Software konnte MSE im Testverlauf mit brandneuer Malware nicht punkten und keinen einzigen der Schädlinge aufgrund des verdächtigen Verhaltens aufspüren.

Damit – und es sei nochmals deutlich darauf hingewiesen, dass dies bei der Konkurrenz von MSE nicht anders ist – bieten die Security Essentials nicht unbedingt ausreichenden Schutz bei Ausflügen in das weltweite Datennetz.

Microsoft-Sicherheitssprecher Gerhard Göschl betont in einer Stellungnahme, dass man bei dem Redmonder-Hersteller die Security Essentials nicht einfach als eigenständiges Produkt sehe. Vielmehr sei die Software als Teil einer umfassenderen Sicherheitsstrategie im Zusammenspiel mit anderen Programmen wie beispielsweise dem Windows Defender gedacht.

Die Scan-Geschwindigkeit von MSE liegt im Mittelfeld – auf dem Markt stehen durchaus schnellere, aber auch erheblich langsamere Virenscanner zur Auswahl. (In Zusammenarbeit mit freenet Digitale Welt)

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